Stellenanzeigen richtig texten: So nutzt Du Deine Anzeige als Schaufenster in Dein Unternehmen

Der enorme weltweite Fachkräftemangel ist inzwischen in so gut wie allen Branchen zu spüren … und er sorgt für einen alltäglichen Kampf um Top-Talente auf dem Arbeitsmarkt. 

Früher mögen sich die Bewerbungen noch auf so manchem Schreibtisch gestapelt haben. Heute ist es vor diesem Hintergrund wichtiger als je zuvor, potenzielle und aufstrebende Mitarbeiter zu finden und an das eigene Unternehmen zu binden.

Daher: Call to Action!

Gibt es Positionen, bei denen Du zu wenige Bewerbungen erhältst? Funktionieren Deine Stellenanzeigen nicht so, wie Du es Dir wünschst?

Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, einen kritischen Blick auf Deine Stellenanzeigen und das Auftreten deines Unternehmens zu werfen. In diesem Artikel will ich ein paar Strategien mit Dir teilen, um das Beste aus Deinen Anzeigen und Deinem Unternehmen rauszuholen!

Wir empfehlen: Sell-Cruiting statt Recruiting

Um die größten Talente aus dem überschaubaren Kandidatenpool für Dich gewinnen zu können, lautet unser erster Tipp: Sellcruiting statt Recruiting. Was bedeutet Sellcruiting?

Es ist einfach eine neue Perspektive, die Personalbeschaffung zu betrachten. Ich selbst komme aus dem Marketing und habe in meiner Zeit bei Heyrecruit schon viele Parallelen zum Recruiting festgestellt.

Zu meinen Aufgaben zählt es, die Vorteile eines Produkts authentisch zu kommunizieren. Es geht darum, Kunden mit Argumenten zu überzeugen, warum sie mit unserer Lösung am besten bedient sind.

Du als Recruiting-Verantwortlicher musst Deine offene Stelle und Dein Unternehmen bestmöglich verkaufen. Du möchtest potenzielle Bewerber davon überzeugen, dass Dein Unternehmen ein geeigneter Arbeitgeber für sie ist. 

Um dieses Ziel zu erreichen, stehen Dir Ideen und Strategien aus dem klassischen Vertriebsbereich zur Verfügung. Dafür musst Du nur ein wenig umdenken. Versuche Deine Kandidaten als Kunden zu betrachten, welche Du von Deinem Produkt dauerhaft überzeugen möchtest.

Das bedeutet, dass Du Dich im ersten Schritt in Deine Zielgruppe hineinversetzt und ihre Bedürfnisse begreifst. Nur dann kannst Du das optimale (Job-)Produkt entwickeln! Entdecke und arbeite die Alleinstellungsmerkmale für Deinen Job heraus. Diese konkreten Vorteile – in der Marketing-Fachsprache als Unique Selling Points (USPs) bezeichnet – sind für einen überzeugenden Pitch unerlässlich.

Wie das genau funktionieren soll, will ich Dir im Folgenden zeigen. Diese Anleitung wird Dich dabei unterstützen, Schritt für Schritt die optimale Stellenanzeige aufzubauen.

Verinnerliche das AIDA-Konzept!

Das AIDA-Modell ist ein bewährtes Vertriebs-Konzept, dass die vier Phasen einer Kaufentscheidung abbildet: Aufmerksamkeit, Interesse, Verlangen und Aktion (oder auch auf namensgebendem Englisch: Attention, Interest, Desire and Action). Wie jedes Modell hat AIDA seine Limitierungen: Kritiker bemängeln, dass sich ein rein lineares Verkaufsmodell allein nicht mehr eignet, um moderne Verkaufsprozesse abzubilden. 

Für unsere Zwecke ist es aber meiner Meinung nach gut geeignet und lässt sich optimal für Stellenanzeigen übernehmen. Zunächst einmal hilft AIDA, beim Schreiben wichtige Punkte nicht aus den Augen zu verlieren. Außerdem gibt das lineare Modell eine grobe Struktur für die einzelnen Inhalte Deiner Ausschreibung vor. Jetzt schauen wir uns an, wie Du die einzelnen Verkaufsphasen auf eine Stellenanzeige anwendest.

A wie Attention (Aufmerksamkeit)

In der ersten Phase ist es essentiell, die Aufmerksamkeit des Kunden bzw. des Bewerbers zu erlangen.

Das bedeutet: Augen auf bei der Wahl des Jobtitels! Dieser wird zuerst wahrgenommen und kann darüber entscheiden, ob sich ein potenzieller Bewerber überhaupt näher mit Deiner offenen Stelle beschäftigt.

Damit Deine Stellenanzeige die gewünschte Positionierung erreicht, solltest Du wissen, dass die meisten Jobbörsen automatisch nach Relevanz filtern. Daher solltest Du besonderen Wert auf die Wahl des relevantesten Titels und die Wiederholung von passenden Schlagwörtern in der Anzeige legen. 

Eine Überprüfung von alternativen Titeln und deren Schreibweisen über Google Trends ist eine tolle Möglichkeit, um das Suchverhalten zu checken. Zudem ist es immer empfehlenswert, in den jeweiligen Jobbörsen zu recherchieren. Welche Jobtitel und Schlagwörter nutzen andere Unternehmen, die ähnliche Stellen ausschreiben?

Du willst nicht nur Aufmerksamkeit erregen, sondern auch möglichst schnell den optimalen Kandidaten für Deine Stellenanzeige finden. Deshalb ist es unabdingbar, den Stellentitel und auch das zukünftige Tätigkeitsfeld so konkret wie möglich zu definieren.

Hierzu ein Beispiel: Sales Manager ist nicht gleich Sales Manager!

Suchst du einen Sales Manager oder einen Technical Sales Manager? Der Unterschied mag bezüglich der Bezeichnung kaum ins Gewicht zu fallen, kann aber bei einer Stellenanzeige erfolgsentscheidend sein. Der richtige Titel führt zu qualifizierteren Ergebnissen und sorgt dafür, dass die passenden Kandidaten bei Deinem Unternehmen schneller fündig werden.

Du hast Dich für einen aussagekräftigen Jobtitel entschieden? Super! Jetzt geht es darum, diesen geschickt in Deine Anzeige einzubauen. Du solltest den Titel mehrfach in Deiner Stellenanzeige wiederholen, ohne dass es erzwungen wirkt. Am besten funktioniert das erfahrungsgemäß, indem Du ihn ganz natürlich in Zwischenüberschriften und Abbindern einbaust. So wird die Auffindbarkeit der Stellenanzeige verbessert, ohne dass der Lesefluss gestört wird.

Zudem hilft wie gesagt die Verwendung von Keywords, die für den zu besetzenden Job relevant sind. Das können beispielsweise ähnliche Studien- und Ausbildungsgänge sein oder weitere Fähigkeiten, welche für die ausgeschriebene Tätigkeit benötigt werden.

I wie Interest (Interesse)

Ist Deine Stellenanzeige erstmal gefunden und die Aufmerksamkeit des Kandidaten gewonnen, ist es in der zweiten Phase von enormer Bedeutung, echtes Interesse zu wecken.

Dabei geht es darum, die Alleinstellungsmerkmale (USPs) Deines Unternehmens und des Jobangebots hevorzuheben. Dabei gilt immer: In der Kürze liegt die Würze!

Es ist also wichtig, dass alle relevanten Informationen mit einer möglichst persönlichen Ansprache kurz und bündig untergebracht werden: Job- und Unternehmensbeschreibung (3–5 Sätze), Standort, Voll- oder Teilzeit und Beschäftigungsbeginn etc.

Bei der Unternehmensbeschreibung muss folgende Frage für den Kandidaten beantwortet werden: “Werde ich mich dort wohlfühlen?”

Dabei gelten zwei Grundstätze: Positiv, aber ehrlich. 

Das bedeutet, dass Du in der Beschreibung selbstverständlich die guten Seiten deines Unternehmens stark betonen solltest – schließlich betreibst Du hier ja Werbung. Diese Vorteile müssen jedoch auch in der Realität entsprechend standhalten. „Authentizität“ ist dabei das Schlagwort, welches Du bei der Formulierung der Unternehmensbeschreibung immer berücksichtigen musst.

D wie Desire (Verlangen)

Nachdem die potenziellen Kandidaten die wichtigsten Informationen zu Deiner offenen Stelle und Deinem Unternehmen erfahren hat, geht es nun ans Eingemachte. Im nächsten Schritt geht es darum, das Verlangen nach dem Job zu wecken.

Dein potenzieller zukünftiger Mitarbeiter soll richtig Lust bekommen, sofort bei Dir anzufangen. Dazu beschreibst Du in diesem Teil der Anzeige, welche Aufgaben und Benefits den Kandidaten erwarten und welche Anforderungen an ihn gestellt werden.

Auch hier gilt der Grundsatz, die Absätze möglichst kurz und knackig zu halten. Als grobe Richtlinie: Nutze pro Abschnitt fünf bis sieben Stichpunkte, um alle Antworten auf offene Fragen zu liefern. Natürlich versteht sich, dass die Anzahl je nach Jobangebot und Zielgruppe nochmals variieren kann.

Dabei empfehlen wir Dir, die wichtigsten Aufgaben und Anforderungen an den Anfang zu packen. Die Sortierung sollte von Hard zu Soft Skills erfolgen, damit den Kandidaten das Lesen Deiner Jobanzeige erleichtert wird.

Wichtig ist in jedem Fall, dass das Verhältnis aller Abschnitte ausgeglichen ist. Eine Aufgabenbeschreibung mit drei Stichpunkten, auf der eine lange Liste mit Anforderungen folgt, kann durchaus abschreckend wirken!

Neben der Anzahl und Länge Deiner Aufgaben- und Anforderungsbeschreibung, ist auch die Formulierung von großer Bedeutung. Es ist ratsam, die Formulierung eher offen zu gestalten, damit sich möglichst viele potenzielle Kandidaten angesprochen fühlen.

Ersetze beispielsweise eine fixe Anzahl der Jahre an Berufserfahrung durch „erste“, „einschlägige“, „mehrjährige“ oder „fundierte“ Berufserfahrung. Auch die Schilderung der Mindestanforderungen und „nice to haves“ kann durch Formulierungen wie „idealerweise“ und „von Vorteil“ ersetzt werden.

Um echtes Verlangen zu erzeugen, ist es heutzutage unabdingbar, potenziellen Kandidaten ihren zukünftigen Arbeitsplatz schmackhaft zu machen. Must-Have in einer Stellenanzeige, insbesondere Angesichts des eingangs erwähnten Fachkräftemangels, ist also das Anführen von konkreten Benefits.

Versetze Dich dafür in den gewünschten Bewerber hinein:  Dieser möchte neben den Aufgaben und Anforderungen ganz genau erfahren, was er im Gegenzug dafür bekommt. Denn ein aktiv suchender Kandidat wird sich nicht nur mit einer Stellenanzeige auseinandersetzen, sondern mehrere miteinander vergleichen. Entsprechend musst Du Dich von den anderen Anzeigen und Unternehmen hervorheben – und das erreichst Du unter anderem durch attraktive Benefits.

Dabei ist es wichtig einen gewissen Wiedererkennungswert zu erreichen. Vermeide deshalb besser allgemeine Beschreibungen wie „tolles Team“ und „herausfordernde Tätigkeit“. Die Mitarbeitervorteile müssen einen direkten Mehrwert für den Bewerber darstellen und Dich im besten Fall von der Konkurrenz abheben.

Das bedeutet auch, dass Benefits stark von der jeweiligen Zielgruppe abhängig sind. Für Berufseinsteiger und sogenannte Young Professionals sind einige Benefits bereits eine Grundvoraussetzung. Hierzu gehören beispielsweise flexible Arbeitszeiten, Homeoffice, Weiterbildungen und ein angemessenes Gehalt. Insbesondere in der derzeitigen Lage ist es zusätzlich zu empfehlen, Sicherheitsaspekte in den Vordergrund zu stellen: Gesundheitsmanagement, unbefristete Arbeitsverträge oder kürzere Probezeiten.

… und zu guter Letzt: A wie Action (Handlung)

Unter einem „Call-to-Action“ versteht man in der Marketingsprache eine eindeutige Handlungsaufforderung an den Websitebesucher, Kunden oder in Deinem Fall: den Bewerber. 

Dabei kann die gewünschte Handlung alles Mögliche sein: der Kauf eines Produkts, die Anmeldung zum Newsletter oder die Bitte um einen Kommentar.

Im Fall einer Stellenanzeige ist der nächste Schritt ziemlich eindeutig: Du möchtest von qualifizierten Kandidaten eine Bewerbung erhalten. Es mag Dir auf den ersten Blick vielleicht etwas unnötig erscheinen, doch die Praxis zeigt ganz klar: Eine simple Handlungsaufforderung führt zu einer deutlich höheren Interaktionsrate.

Aus diesem Grund sollte Deine Anzeige mit einem eindeutigen „Call-to-Action“ abschließen. Fordere den Leser dazu auf, sich zu bewerben. Und gib ihm dabei klare Anweisung, wie die nächsten Schritte konkret aussehen werden.
Auch hier gilt, dem Kandidaten ein gutes Gefühl zu vermitteln und eine persönliche und positive Note zu hinterlassen. Erwähne beispielsweise, dass Du Dich auf die Bewerbung freust.

Zudem muss unmissverständlich formuliert sein, welche Unterlagen der Bewerbung beigelegt werden sollen. Gib zuletzt noch eine Kontaktperson an, an den er die Bewerbung adressiert. So weiß der Kandidat auch, an wen er sich bei möglichen Fragen wenden kann.

Fazit

Wenn Du Dich am AIDA-Modell orientierst, fällt das Texten einer guten Anzeige leichter. Du bekommst eine solide Struktur an die Hand, um die Aufmerksamkeit der Kandidaten zu erregen und bei ihnen echtes Interesse zu wecken. Anschließend machst Du ihnen den Job schmackhaft und lenkst das entstandene Verlangen mit konkreten Handlungsanweisungen in die richtigen Bahnen.

Natürlich kann jedes Modell immer auch eine vereinfachte Darstellung der Realität sein. Dennoch solltest Du mal selbst versuchen, das Recruiting durch die Marketing-Brille zu betrachten. Dieser Perspektivenwechsel kann durchaus sehr hilfreich sein. Nur indem Du es ausprobierst, wirst Du merken, ob das AIDA-Modell für Deine Stellenanzeigen eine Berreicherung ist.

Und jetzt noch ein „Call-to-Action“ in eigener Sache: Falls Du zu diesem Artikel noch Fragen oder Anregungen hast, schreib uns doch einen Kommentar darunter!

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